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Misteltherapie im Rahmen der biologischen Krebsbehandlung – Das Immunsystem stärken

Bereits von Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) wurde der Saft aus Mistelkraut für die äußere Anwendung zur Verbesserung der Wundheilung, in der Frauenheilkunde bei Unterleibsentzündungen und als Sud bzw. Tee bei Bluthochdruck empfohlen. Durch Rudolf Steiner und Ita Wegmann, Begründer der anthroposophischen Medizin, fand die Mistel 1917 erstmals Erwähnung im Rahmen der Krebsbehandlung.

Steiner und Wegmann spritzten den verdünnten Mistelpresssaft unter die Haut (s.c. = subcutan) und konnten daraufhin erstaunliche Abwehranregungen, örtliche Entzündungsreaktionen und Krebsheilungen beobachten. Durch Gehard Madaus erfuhr die Misteltherapie 1938 mittels Einspritzung oder Infusion des Mistelextrakts in die Vene (i.v. = intravnös) zur Beeinflussung von fortgeschrittenen Krebsfällen erneute Erweiterung. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten durch erfolgreiche Misteleinspritzung in Gelenknähe bei Arthrose komplettiert.
Die Grundlagenforschung kann die wichtigsten Wirkstoffe der Mistel inzwischen genau beschreiben.
Zusätzlich werden durch die Mistelbehandlung, im Blutbild gut sichtbar, die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) erhöht und es kommt zu einer Veränderung der Leukozytenverteilung hin zu mehr Lymphozyten und ggf. auch eosinophilen Granulozyten.

Die Misteleinspritzung unter die Haut ruft charakteristische Zellbewegungen hervor:

  • Sofortige örtliche Reizreaktion mit Durchblutungserhöhung.
  • Nach 12 Stunden treten Lymph- und Mastzellen aus lokalten Blutgefäßen heraus, welches die typische örtliche Rötung und Überwärmung hervorrufen kann. Mastzellen enthalten Mikrobotenstoffe, wie Serotonin, Histamin und Bradykinin, welche Blutgefäße erweitern und andere Abwehrzellen anlocken. Zu den Lymphzellen gehören alle Abwehrzellen zur so genannten zellulären Abwehr oder spezifischen Abwehr (NK-Zellen, T-Lymphzellen, B-Lymphzellen).
  • Nach 48 Stunden sind Makrophagen vorhanden, so genannte Fress- oder Abwehrzellen, die eingedrungene Fremdstoffe, wie Bakterien, Viren oder Tumorzellen aufnehmen und unschädlich machen. Die Langerhans-Zellen beginnen aus der Epidermis auszuwandern. Sie gehören zu der Gruppe der Fresszellen.

Fasst man die Wirkungen der Mistel nach Einspritzung in den Körper zusammen, so bewirkt diese eine Abwehrzellanregung. Modellhaft kann man sich vorstellen, das die Mistel wir ein Hauptfeldwebel einer Kompanie die Immunsoldaten „antreten“ bzw. „stramm stehen“ lässt, sie aktiviert und quasi vom Müßiggang abhält.

Grundsätze bei der Anwendung von Mistelextrakten

Nachfolgend werden die wichtigsten Anwendungsgrundsätze von Mistelextrakten im Rahmen der biologischen Krebsbehandlung zusammengefasst.

Auswahl der Mistelpräparate und Arten der Wirtsbäume:
  • Nach Tumorart bzw. –lokalisation
  • Nach Geschlecht (z. B. V. Abietis beim Mann, V. Mali bei der Frau, V. Pini beide Geschlechter
  • Nach Tumorstadium (hierbei erfolgen unterschiedliche Dosierung, Injektionsfrequenz, Verabreichungsart und ggf. Wirtsbaumkombinationen in Abhängigkeit von Tumorgröße und dem Vorhandensein von Tochtergeschwulsten)
  • ML-1-standardisiert oder klassisch anthroposophisch (die Mistellektin ML-Standardisierung erfolg in Abhängigkeit vom Körpergewicht, wohingegen die antrophosophische Vorgehensweise in ansteigender und rhythmisch wechselnder Dosierung erfolgt)
  • Nach phyto- oder homöopathischem Prinzip (pflanzliche Mistelpräparate werden in Verdünnungsreihen homäopathische Präparate hingegen verdünnt und potenziert verarbeitet)
  • Nach individuellem Testergebnis durch spezielle Labortestung, z. B. NK-Check (testet die Aktivität der NK-Zellen in vitro, d. h. im Reagenzglas, gegenüber verschiednen Mistel- oder Immunpräparaten) oder biologische Testverfahren wie z. B. EAV (Elektroakupunktur nach Voll) oder Kinesiologie)
Behandlungseinleitung der Misteltherapie:
  • Beginnen mit aufsteigenden Serien bei anthroposophischer Anwendungsart bzw. mit einfacher Dosierungssteigerung wie bei abnobaVISCUM®
  • Warten, bis positive Antwortreaktion erfolgt
  • Probeinjektion mit einer Viertel Ampulle einen ML-1-standardisirten Präparats und dann Dosierung nach Körpergewicht
  • Bei fortgeschrittenen Krebsfällen ggf. Infusionen mit Mistel zur Einleitung (meist stationär) und dann ambulante Fortsetzung mit Einspritzungen unter die Haut
Positive Reaktionen im Rahmen des Behandlungsverlaufs:

Typische Hinweise für eine gute Wirkung der Misteltherapie sind:

  • Besserung des Allgemeinbefindens (Appetit, Kraft, Stimmung, Schlaf u. a.)
  • Temperaturrhythmisierung
  • Abendliche Temperaturerhöhung um ca. 1 °C am Injektionstag
  • Verbesserung der Laborwerte und insbesondere der NK-Zellen und Lymphozyten in der detaillierten Typisierung (so genannte Lymphozytenpopulationsbestimmung)
  • Örtliche Entzündungsreaktion (maximal bis Handtellergröße, sonst Dosisreduktion)
Wenn eine positive Reaktion ausbleibt …:
  • Änderung der Injektionshäufigkeit (auf wenige Wochen begrenzen: CAVE Immunsupression)
  • Erhöhung der Misteldosis, ggf. Wechsel zu homöopathischer Mistel
  • Änderung des Wirtsbaums
  • Änderung des Herstellers
  • Abbruch der Misteltherapie und ggf. Behandlung der Reaktionsstarre
Wann ist eine Mistelanwendung möglich bzw. sinnvoll?
  • Bei allen Krebsvorstufen (z. B. Leukoplakie, Kraurosis vulvae, Hyperkeratosen, Verrucae seniles)
  • Vor und/oder nach großen operativen Eingriffen (da hier deutliche Abwehrschwächung erfolgt)
  • Bei nachgewiesener Abwehrschwäche, chronischer Erkältungsneigung, chronischer Entzündungen
  • Während Chemo- und Strahlentherapie zur Verminderung der Nebenwirkungen, Verbesserung der Lebensqualität und Stabilisierung des Abwehrsystems
  • Zur Anregung der Abwehrkräfte und damit Vorbeugung von erneuter Krebserkrankung nach standard-medizinischer Behandlung
Wie lange sollte die Misteltherapie erfolgen?

Die Misteleinspritzungen können generell über Jahre durchgeführt werden. Zur Vermeidung einer Unwirksamkeit durch Anpassung des Körpers an diesen Reizstoff sollte nach spätestens drei Monaten eine Therapiepause über drei bis vier Wochen eingelegt werden. Die durchschnittliche Behandlungszeit bei guter Wirkung beim Krebspatienten erfolgt zwei bis drei Jahre lang. Aber auch hier entscheidet der Patient mit: Bei Angst vor Abwehrschwäche oder Verschlechterung des Allgemeinbefindens bei längerer Mistelpause kann die Mistel generell auch über mehrere Jahre zur Anwendung kommen. Nach einer längeren Pause muss wieder mit einer geringen Dosis begonnen werden.

Mistelallergien sind selten:

Nach Einspritzung der Miste unter die Haut kann bzw. darf es zu einer örtlichen Rötung mit Überwärmung kommen. Diese zeigt die erfolgreiche Reizwirkung des Extraktes auf die Abwehrzellen an, sollte aber nur eine Fläche nicht größer als der eigene Handteller erreichen. Bei größerer Ausdehnung genügt meist ein Reduzieren der Dosis bzw. die Verlängerung des Intervalls zwischen den Einspritzungen. Diese Rötung ist, sofern kein allgemeines Unwohlsein auftritt, keine Allergie. Echte Allergien gegen Mistelextrakt gibt es sehr selten. Zum Ausschluss einer Allergie können im Blut Antikörper bestimmt werden.

Und die Krankenkassen?

Auch nach der aktuellsten Gesundheitsreform kann die Mistel auf Kassenrezept verordnet werden, insofern es sich um eine Erkrankungsbild handelt, welches durch alleinige standard-medizinische Behandlungen nicht sicher geheilt werden kann. Dies trifft für die Krebserkrankung zu. Hinzu kommt die Verordnungsfähigkeit von anthroposophischen und homöopathischen Arzneimitteln, wenn diese gemäß der jeweiligen Behandlungsrichtung angezeigt sind. Der Gesetzestext regelt die Erstattung leider nicht ganz klar und viele Ärzte lehnen deshalb die Ausstellung eines Rezeptes ab. Es empfiehlt sich im Zweifelsfall der Kontakt zur Rechtsabteilung der Herstellerfirmen oder zu einem diesbezüglich kompetenten Patientenverband (z. B. Gesellschaft für biologische Krebsabwehr in Heidelberg oder Union für biologische Krebstherapie in Kassel).

Von Dr. med Ralf Oettmeier und Dr. med. Uwe Reuter

Weiterführende Literatur:
  • Roitt, I., Brostoff, J. & Male, D. (1995). Kurzes Kehrbuch der Immunologie. Stuttgart: Thieme Verlag
  • Reuter, U. & Oettmeier, R: (2002). Biologische Krebsbehandlung heute. Greiz: ProLeben Fachverlag
  • Scheer, R., Bauer, R., Becker, H. Berg, P. & Fintelmann, V. (2001). Die Mistel in der Tumortherapie. Essen: KVC Verlag
  • Kienle, G. & Keine, H. (2003). Die Mistel in der Onkologie. Stuttgart: Schattauer Verlag
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